Großes Drama auf STOL.it – Aerosol seziert einen Online-Bericht

12. November 2009 at 20:23 1 Kommentar

Der Verfasser des Aerosol-Blogs hat uns folgende Analyse eines hochdramatischen Berichts zur Verfügung gestellt, den er auf STOL.it, dem Online-Dienst des Verlagshauses Athesia gefunden hat:

aerosol bloggroßes drama bei stol.it – 7.11.2009

ich lese leidenschaftlich gerne die chronik auf stol.it , dem online-ableger des lieblingstagblattes der südtiroler Dolomiten). heute ist ein besonderes schmankerl dabei:

Kalterer See: Vier Autos in Unfall verwickelt (im original nachzulesen hier)

eigentlich eine langweilige geschichte — ein autounfall mit vier darin verwickelten fahrzeugen, zwei leichtverletzte — vielleicht vier zeilen in einer normalen zeitung wert. nicht so bei stol. schon der einstiegssatz ist hohe literatur:

Es war gegen 15 Uhr, als ein Mann aus Kaltern mit seinem Fahrzeug von Tramin in Richtung Kalterer See unterwegs war. Auf der Höhe der Obstgenossenschaft Egma wollte er links in einen Feldweg einbiegen, als es zu dem Unfall kam.

“Es war eine dunkle und stürmischen Nacht…” nach so einem einstieg ist klar, dass das drama nicht lange auf sich warten lässt:

Ein sich von hinten mit hoher Geschwindigkeit nähernder Pkw hatte das Abbiegmanöver wohl übersehen und rammte den Kalterer, der sein Fahrzeug bereits quergestellt hatte, an der Vorderseite seines Fahrzeuges.
Das zweite Auto, in dem ein Mann aus der Schweiz saß, wurde daraufhin in ein Feld geschleudert, wo es auf zwei geparkte Autos prallte. Einige Männer, die dort gerade mit Arbeiten beschäftigt waren, mussten beiseite springen und zogen sich teils leichte Verletzungen zu.
Durch den Aufprall auf die beiden parkenden Autos wurde das Schweizer Fahrzeug ein weiteres Mal weggeschleudert. Diesmal schoss es nach rechts und kam schließlich in einem Straßengraben zum Stehen.

… fast so spannend wie ein Jerry Cotton heft! aber es geht noch weiter:

„Wir dachten erst, wir müssten den Mann aus dem Auto herausschneiden“, berichtete Karl Zöggeler, Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr Tramin, im Gespräch mit Südtirol Online. Der Mann habe sich aber selbst aus dem Wrack befreien können.

schade, denkt sich da die reporterin. aber man muss halt mit dem material arbeiten das man hat.

„Das Auto haben wir dann mit unserem Rüstungsfahrzeug aus dem Graben gezogen. Danach hat es der Abschleppdienst mitgenommen“, so Zöggeler.

aha. interessant, verunfallte autos werden also abgeschleppt. na so was!

Glück im Unglück
„Zum Glück wurde keiner der Beteiligten schwer verletzt“, meint der Einsatzleiter. Zwei Personen seien zur Beobachtung eingeliefert worden, der Schweizer Fahrer habe sich wahrscheinlich Rippenverletzungen zugezogen. Die Verletzten wurden mit zwei Rettungsfahrzeugen des Weißen Kreuzes ins Krankenhaus von Bozen eingeliefert.

merke: wenn man exzessiv den konjunktiv benutzt, erweckt man den eindruck von seriosität.

„Augenzeugen haben berichtet, dass der Schweizer mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war“, weiß Zöggeler. Die Carabinieri von Tramin untersuchen den Unfallhergang.

… und so schnell vergisst man den konjunktiv und macht unreflektiert spekulationen zu tatsachen, obwohl man im nächsten satz schreibt, dass die polizei noch ermittlungen zum unfallhergang anstellt.

Auch der Rettungshubschrauber Pelikan 1 wurde zum Unfallort gerufen. „Wir sind aber nicht gelandet“, hieß es gegenüber STOL. Die Patienten waren bereits versorgt und abtransportiert.

tja, der hubschrauber wäre dann auch das highlight gewesen. ich kann verstehen, dass man da sogar in der notrufzentrale nachfragt ob er vielleicht doch… aber wenigstens gestartet ist der rettungshubschrauber.

aerosol gratuliert der wackeren reporterin (wacker weil sie das machwerk mit vollem namen signiert hat)

Barbara Raich

online-lokalchronik und literarische ansprüche vertragen sich also doch ;)

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“Nur die Südtiroler selbst können sich und ihrem Land zu einer pluralistischen Medienlandschaft verhelfen” “Il Dolomiten non è assolutamente un quotidiano libero” – Commento di Davide Orfino

1 Kommentar Add your own

  • 1. Hans Bibera  |  14. November 2009 um 12:42

    Kennen Sie die neue Religion und ihre Priesterschaften? Es ist die Sicherheit und ihre Helfer.
    Wenn sich Unfallnachrichten so lesen, als ob hier die Narichtenmacher sich freuten, dass wieder einmal etwas passiert ist, um die Einsatzpriesterlitanei zu beten, und wenn die Dolomiten mangels Unfällen die Rettungsübungen mit Schlagzeilen versieht, als wäre es wirklich ein Unfall, dann wissen wir, an was wir zu glauben haben. Gehabe, Gebäude, Outfit, hat die Kirchen schon längst eingeholt. Und übrigens: Glauben spielt sich jeseits des Denkens ab.

    Antwort

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